Kunstwettbewerb

Re.Formatio Kunstwettbewerb und Ausstellung

Re.Formatio: Ein Anfang

Christen erzählen sich Geschichten von Gott und der Welt, von Jesus und seinen Jüngern … Manche davon sprechen mich sofort an. Andere lassen mich ratlos zurück oder fordern mich heraus. Eine dieser Geschichten handelt davon, wie Jesus seine angehenden Jünger auffordert, Menschenfischer zu werden. Auch ich als Leserin fühle mich angesprochen. Doch so ganz konnte ich mich mit diesem Vergleich nie anfreunden. Ich möchte Menschen nicht angeln oder locken. Ich möchte überzeugen durch Argumente oder durch mein Handeln Veränderungen bewirken.

Bei näherer Betrachtung der verwendeten Bildsprache finde ich jedoch einen Aspekt, der mir persönlich doch zusagt: Die Fischer benutzen  in der Regel Netze.

Vernetzung ist das Zauberwort der globalen Welt. Es ist sicher einer der am häufigsten verwendeten Begriffe, seit es so einfach ist, miteinander über das Internet zu kommunizieren.

Mich beschäftigt dieses Thema schon sehr lange. Die Individualisierung in der Gesellschaft schreitet fort, das Ich steht vor dem Wir. Was ist notwendig, um dem entgegenzuwirken? Wie kann ich Menschen zusammenbringen vernetzen? Wie schaffe ich Räume zur Begegnung? Worüber kann ich ins Gespräch kommen, ohne mein Gegenüber zu vereinnahmen oder zu manipulieren? Wie schlage ich Brücken und räume Hindernisse aus dem Weg?

In der Verwirklichung des Projektes Re.Formatio sah ich eine Chance auf dem Weg zur Beantwortung dieser Fragen. Ich sah Möglichkeiten, Räume zu schaffen und zu öffnen, an denen sich Menschen begegnen konnten. Menschen, die sich sonst nicht begegnen würden, vielleicht keine gemeinsamen Interessen oder Berührungspunkte haben. Menschen mit verschiedenen politischen oder religiösen Einstellungen und aus unterschiedlichen sozialen Milieus. Menschen, in deren Leben Kunst vielleicht nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Nun wurde Kunst zum Anstoß und zum Gegenstand von Inspiration und Diskussion. Durch die unterschiedlichen Ausstellungsorte brachte sie Menschen buchstäblich dazu, sich zu bewegen: aufeinander zu, bisher fremde Orte zu betreten und bisher ungewohnte Gedanken zu denken. Ich habe mit vielen Künstlern und Besuchern gesprochen, die gerade dieser Aspekt des Kunstprojektes beeindruckt hat.

Die äußere Bewegung von Ort zu Ort war auch Ausdruck dessen, was die Künstlerinnen und Künstler durch ihre Werke in Bewegung setzen wollten. Die Kunst veränderte nicht nur die Räume, sondern immer auch den Betrachtenden. Wenn man mich fragt, was nun von diesem Experiment bleibt, so ist meine Antwort klar: Vernetzung, Annäherung und Veränderung. Nicht durch die Kunst allein, sondern durch übertretene Schwellen, durch Gespräche und das gemeinsame Arbeiten ist eine Basis für Vertrauen entstanden. Eine Basis, auf der Beziehungen und Gemeinschaft wachsen können. Denn es ist weniger schwierig, einen Ort zu betreten, an dem ich bereits positive Erfahrungen gemacht habe.

Interessant ist: Die Gewinnerin des Kunstwettbewerbs hat all diese Aspekte in ihrer Installation zusammengebracht:

Vernetzung, Kommunikation, Veränderung, Begegnung. Deutlicher geht es eigentlich gar nicht.

Sie hat also das Thema des Wettbewerbs tiefer interpretiert, als ihr vielleicht bewusst war.

Aber auch die anderen Gewinner*Innen und beteiligten Künstler*Innen steuerten mit Ihrem Kunstwerk einen Knoten im Netz bei. Ein Anfang ist gemacht …

Infos: kunstwettbewerb@ekg-linkenheim.de

 

1. Preis: „Neue Ideen bahnen sich ihren Weg“, Dagmar Feuerstein
2. Preis: „Und vergib uns unsere Schuld“, Nadja Kimova

Infos zum Projekt:
Re.Formatio: Kunstwettbewerb und Ausstellung

„Das Leben ist nicht Sein, sondern Werden, nicht Ruhe, sondern Übung.“ (Martin Luther)

106 Werken von 63 Künstlerinnen

5 Ausstellungspartner und 6 Ausstellungsräume (Diakonieverein Linkenheim-Hochstetten, Evang. Kirchengemeinde Linkenheim, Freie evangelische Gemeinde Hochstetten, Gemeinde Linkenheim-Hochstetten, Katholische Kirchengemeinde Pfarrei Maria Königin Linkenheim)

3 Preisträger

1 Preisträger Publikumspreis

22.10.-19.11.2017 in Linkenheim-Hochstetten

Unterstützung durch unzählige ehrenamtliche Helfer(Innen)

Gewinner

3. Preis und Publikumspreis: „Glaubensweg“, Manfred Metz

Viele Wege führen hin zur reformatorischen, evangelischen Kirche.

Im Mittelpunkt einer nach oben gestellten schmalen halben Baumscheibe steht ein goldbemaltes Holzkreuz. Die ringförmigen Maserungen auf dieser Baumscheibe sind durch rote Linien eingefärbt und kennzeichnen die Alterung und Veränderung. Ebenso rot koloriert sind die Linien, die vom Kreuz in den Außenbereich führen. 

Ausgangsmaterial war altes Eichenholz aus einem Abrisshaus, das den Künstler zu einer neuen Bildaussage inspirierte. Holz mit Geschichte, erhält durch Umformung eine neue Aufgabe und Aussage. Vom Nutzholz zum Kunstobjekt, erst unbeachtet und nun charaktervoll mit veränderter Bestimmung, kombiniert mit Eschenholz und Weidenholz aus dem hiesigen Rheinwald.
 

2. Preis: „Und vergib uns unsere Schuld“, Nadja Kimova

Es ist ein sehr farbiges Gemälde in Mischtechnik erstellt auf Leinwand. Dargestellt ist eine junge Frau, die Hände gefaltet mit dem Blick nach oben gerichtet. Das Bild ist geprägt in warmen rot, orangenen und gelben Farbtönungen die überzogen werden von weißen Lichtstrahlen. Zu diesem Motiv war die Künstlerin inspiriert durch das Thema „Ablasshandel“.

Luther wandte sich seinerzeit in einem Brief gegen den Ablasshandel, dem er seine 95 Thesen beifügte, die er an den Erzbischof von Mainz sandte. In diesen Thesen machte er auf Missstände in der Kirche aufmerksam. Diese Thesen verbreiteten sich in Windeseile.

Die Künstlerin sagt dazu:

„Ein einfacher Weg, auf dem der Mensch ins Verderben kommt. Das Ablegen jeglicher Verantwortung über seine Taten, der Missbrauch des Glaubens, um rein vor Gott zu erscheinen und trotz Sünden schuldlos und rein in den Himmel zu kommen.“

Ihre Kunst ist geprägt von gelebten und durchlebten Gefühlen in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Fiktion. Das Leben ist eine stetige Veränderung.

1. Preis: „Neue Ideen bahnen sich ihren Weg“, Dagmar Feuerstein

"Wir leben in Gemeinschaften.

Wir wollen austauschen.

Wir entwickeln neue, innovative Ideen.

Wir wollen uns vernetzen.

Wir brauchen Kommunikationswege.

Reformen brauchen Menschen, die sie verbreiten.

Reformen brauchen Kommunikation.

Eine Arbeit, die Reformbedingungen visualisiert, die Kommunikationsnetze sichtbar und nachvollziehbar macht.

Reformen haben Dynamik – sie verändern.

Eine Arbeit, die veränderbar ist, in der Figuren keinen statischen Platz haben, die jederzeit umgestellt werden können.

Reformen leben."

Diese Worte sind die Botschaft der Künstlerin des 1. Preises. Sie arbeitet als Bildhauerin und fertigt Skulpturen aus Beton. Sie löst in ihrer Kunst Menschen und Dinge aus dem Alltäglichen und setzt sie in neue Zusammenhänge. Ihre eingereichte Arbeit ist geprägt durch menschliche Betonfiguren, die jedes Alter widerspiegeln. Rote Fäden umwickeln mehrfach jede Skulptur als Beispiel der Vernetzung. Kommunikation und Kommunikationsnetze stehen im Mittelpunkt, eine stetige Veränderung ist angesagt.

3. Preis und Publikumspreis: „Glaubensweg“, Manfred Metz